Die EGfKA

Das Berliner Theaterkollektiv EGfKA (Europäische Gemeinschaft für Kulturelle Angelegenheiten) verbindet seit seiner Gründung 2012 postdramatische und klassische theatrale Formen mit fundierter Theoriearbeit und einer klaren politischen Haltung. Mit Leichtigkeit, Phantasie und Präzision werden neueste Diskurse und sozio-politische Entwicklungen hinterfragt, gängige Erzählweisen zerlegt und zeitgemäße künstlerische Formen entwickelt.

Um der umfassenden Krisensituation in Europa Formen ästhetischer Solidarität entgegen zu stellen, entwickelte die Gruppe – neben zahlreichen Formaten –  ein eigenes Theatermodell: das Theater der Sorge.

Diesem Modell folgend verbindet das Kollektiv in seinen Arbeiten verschiedenste Darstellungsformen und Medien. Klassische Theatertexte, aktuelle und historische theoretische Diskurse, Fakten und Fiktionen werden als Steinbruch für Stückentwicklungen genutzt und auf ihren Gebrauchswert für die Gegenwart geprüft.

Dabei widersteht die Gruppe ebenso dem Abdriften in poppige Ironie, wie der Versuchung, einfache Antworten auf komplexe Fragen zu geben, sondern konzentriert sich im Sinne eines wilden Denkens und eines hybriden Spiels auf das Anregen von gesellschaftlicher Vorstellungskraft.

 

 

Sabrina Apitz

geboren 1980 in Pritzwalk (DE), ist Mitbegründerin der EGfKA. Sie studierte, Publizistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft sowie Ethnologie an der FU Berlin und der Universidad Católica del Perú in Lima. Als freiberufliche Projektmanagerin und Kuratorin konzipiert und organisiert sie internationale Konferenzen, Symposien und Workshops in den Bereichen Kultur, Bildung und digitale Gesellschaft, unter anderem die Berliner Gazette, Wikimedia Deutschland, die Allianz Kulturstiftung sowie Jugend für Europa. Sie ist Lehrbeauftragte an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und auch als Moderatorin, Trainerin und Journalistin tätig.

Sie arbeitet im Bereich der Beratung und Qualifizierung des Performing Arts Programm des Landesverbands freie darstellende Künste Berlin (LAFT), das seit 2013 an der Professionalisierung, strukturellen Stärkung und verbesserten Wahrnehmung der freien darstellenden Künste arbeitet.

 

 

Michael Beron

geboren 1983 in Hamburg, (DE), hat die EGfKA von Anfang an kritisch begleitet und ist seit 2015 Mitglied der Gruppe. Er studierte Theaterwissenschaft, Philosophie und spanische Philologie in Mainz und Berlin. Als freier Autor, Dramaturg und Aktivist im Kontext der Interventionistischen Linken (IL) Berlin bewegt er sich an den Schnittflächen von Kunst, Theorie und Politik. Sein Hauptanliegen liegt momentan in der Vermittlung des verstörenden, sprengenden oder still­stellenden Potentials von Kunst mit der Entschiedenheit und der nüchternen Gesellschaftsana­lyse von radikaler Politik. Er war als Produktionsleiter, Autor, Storyboarder und Dramaturg in di­versen Produktionen tätig, ist Mitglied im Redaktionskollektiv der postautonomen Zeitschrift „arranca!“ und schreibt regelmäßig für verschiedene Zeitschriften.

 

 

Matthias Kelle

geboren 1982 in Münster (DE), ist seit 2013 Mitglied der EGfKA. Nach kurzem Ausflug in die Geschichts- und Theaterwissenschaft  der FU Berlin studierte er Schauspiel an der Otto Falckenberg Schule in München.
Während der Ausbildung arbeitete er mit Carlos Manuel für das Theater an der Parkaue, Berlin und mit Schorsch Kamerun, Moritz Schönecker und Robert Schuster für die Münchner Kammerspiele.
Zwischen 2008 und 2013 war er Ensemblemitglied am Schauspiel Staatstheater Stuttgart und arbeitete dort u.a. für Volker Lösch, Sebastian Baumgarten, Peter Kastenmüller, Hasko Weber, Johanna Wehner und Jan Neumann. Von 2013 bis 2015 war er am Schauspielhaus Bochum engagiert und arbeitete dort u.a. für Anselm Weber, Roger Vontobel, Lisa Nielebock, Christian Brey und Robert Schuster. Seit 2015 lebt er freischaffend in Berlin.

 

 

Dafni Sofianopoulou

geboren 1979 in Athen (GR), ist seit 2012 Mitglied der EGfKA. Sie erhielt 2003 ihr Diplom der Erziehungswissenschaft an der Universität Kreta. 2004 folgte dann der European Master in „Intercultural Education and Sociology” an der Freien Universität Berlin. Von 2007 bis 2011 studierte sie Schauspiel an der internationalen Theaterschule Theakademie, Berlin. Seitdem arbeitet sie als Schauspielerin, Regieassistentin und Projektleiterin in verschiedenen Kulturveranstaltungen und freien Theaterprojekte in Athen und Berlin.
Zurzeit arbeitet sie als Projektmanagerin der Kampagne und des Festivals „Break the Chain – Campaign against Human Rights Violation“, welches aus einer Initiative des griechischen Außenministeriums und der Stadt Athen hervorgegangen ist. Zudem ist sie Leiterin der Theatergruppe piso thrania im Sozialen Zentrum für Migranten und Flüchtlinge in Athen-Exarcheia, sowie Flüchtlingshelferin auf Lesbos.

 

 

Olivia Stutz

geboren 1983 in Zürich (CH), ist seit 2013 Mitglied der EGfKA. Sie besuchte die Otto Falckenberg Schule in München und war anschließend zwei Jahre Ensemblemitglied am Stadttheater Ingolstadt. Während ihrer Ausbildung arbeitete sie unter anderem mit Robert Schuster und PeterLicht an den Münchner Kammerspielen.
Noch in der Studienzeit wurde sie mit dem Migros-Kulturprozent-Studienpreis ausgezeichnet, für ihre Arbeit in Ingolstadt erhielt sie den Armin-Ziegler-Nachwuchspreis.
Von 2011 bis 2015 war sie in Zürich als freischaffende Schauspielerin in diversen Produktionen und Gruppen für Theater und Film tätig. Daneben ist sie an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) als Lehrbeauftragte zum Thema „Kollaboratives Arbeiten“ tätig.

 

 

Florian Thamer

geboren 1981 in Alsfeld (DE), ist Mitbegründer der EGfKA. Er studierte Theaterwissenschaft und Neuere deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin, war während dieser Zeit mehrere Jahre als Assistent für Prof. Joachim Fiebach und Prof. Erika Fischer-Lichte tätig und machte zahlreiche praktische Erfahrungen in den Bereichen Theater, Film, Video und Musik.

Derzeit ist er wissenschaftlicher Mit­arbeiter am Inter-nationalen Forschungskolleg Interweaving Performance Cultures der FU Berlin und schreibt in diesem Rahmen seine Doktorarbeit über Inszenierungs- und Kommerzialisierungsstrategien im modernen globalen Männerfußball.
2013 mitbegründete er das fünfköpfige Ses­sion-Kollektiv Flimm, das im Berliner Untergrund mit hybriden Verschmelzungen analoger und digitaler Klangerzeugung experimentiert.

 

 

Tina Turnheim

geboren 1984 in Wien (AT), ist Mitbegründerin der EGfKA. Sie studierte Theater-, Film-, und Medienwissenschaften in Wien, Berlin und London und arbeitet als Theatermacherin und Theoretikerin in Berlin. Zudem ist sie seit 2012 Promotionsstipendiatin am Internationalen Graduiertenkolleg InterArt der Freien Universität Berlin.
In ihrer Doktorarbeit analysiert sie performative Experimente mit Zeit- und Geschichtsabläufen zwischen Spekulation und Beschwörung in Bezug auf eine veränderte gesellschaftliche Wahrnehmung von Zukunft. Darüber hinaus forscht und publiziert sie kontinuierlich über das Konzept der Zukunft, Theater, soziale Reproduktion, Protest und Aufstände, sowie Jugend- und Subkulturen und lehrt derzeit an der Freien Universität Berlin zum Themenkomplex Theater und Flucht.

 

 

Christos Varvantakis

Geboren 1981 auf Kreta (GR) , ist ein in Athen lebender Visueller Anthropologe. Er hält einen MA des Goldsmiths College und einen PhD der Freien Universität Berlin. Er hat Forschungen in Grie­chenland, Indien und Deutschland durchgeführt, die von Institutionen wie DAAD, DFG und DRS und ERC gefördert wurden. Er drehte zahlreiche ethnographische Filme, die auf verschiedens­ten Dokumentarfilm-Festivals gezeigt wurden. Darüber hinaus hat er als Kurator für ethno­graphische Film-Festivals in den USA, Deutschland, England und Griechenland gearbeitet und ausführlich über die Theorie und Praxis der Visuellen Anthropologie geschrieben. Derzeit arbei­tet er als Research Fellow in der Universität Sussex (School of Education and Social Work). Er ist der Geschäftsführer des Super8mm Beatnik Ethnographic Research Institute und erarbeitet ex­perimentelle Video-Collagen mit politischem Anspruch. Von der EGfKA wurde er als Video-Artist zum einwöchigen theatralen Zukunftslabor „Prometheus entfesseln!“ eingeladen und rea­lisierte dort die Performance tragenden Projektionen und Mappings.

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ENGLISH VERSION:

The EGfKA (short for ”european Community for cultural Affairs”) is a collaborative network active across Europe, linking art and culture makers, knowledge workers and activists from its base in Berlin-Neukölln. A core team seeks to involve international collaborators in the collective processes. It is crucial that these contacts are not laid dormant after the finalisation of a project, so as instead to be able to contribute to a trans-local, critical civil society by means of sustainable co-operations and international solidarity.

The initiative was founded in 2011 after several research trips to a Greece in crisis, and seeks to posit lived forms of aesthetic solidarity against the enclosing situation of crisis in Europe; prefiguratively, these are to test better forms of living together, to expand that which is imaginable beyond the status quo.

In protected (art) spaces, new forms of the production of knowledge and alternatives for action are conceptualised, rehearsed and tested, anticipated; these can then be transferred back into their relevant contexts by the participants. The approach consists of combining artistic materials – mostly from within theatre and performance art – and intellectual/academic discourses in the framework of current, historical and perhaps even future trajectories. Following Brecht’s understanding of the fact that an insight is needed at a different site than where it was first found, the EGfKA develops forms which are to enable participants from different societal contexts not only to exchange knowledge and skills, but also methodologies and experiences. Corresponding to the EGfKA’s emancipatory attitude, different forms of knowledge (theoretical knowledge, the knowledge inherent in movement, in art, in experience) are to be treated as equal. The aim is to open to a wider public new perspectives and forms of agency in response to established, seemingly unchangeable states by means of a variety of public events; alternative spaces of thought and language are to be defended and continuously created anew.

 

Fotos by Björn Stork, Stephan Glagla, Olivia Stutz, Matthias Kelle

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